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Dass der Tiger ordentlich springt

 

 

Alle Jahre wieder. Gute Wünsche und Vorsätze gehören zum Jahreswechsel wie Böller und Sekt. Chinesen und Ausländer, die in China arbeiten, haben gegenüber dem Rest der Welt einen Vorteil: Sie feiern zweimal den Beginn eines neuen Jahres und haben somit die doppelte Chance, sich etwas für das neue Jahr vorzunehmen.
Vor wenigen Tagen wurde in China das Jahr des Tigers eingeläutet und allenthalben war zu vernehmen, dass an dieses Jahr positive Hoffnungen geknüpft werden. Der Tiger möge ordentlich springen, und weit.
Nachdem China im vergangenen Jahr zum »Exportweltmeister« aufgestiegen war, dürften sich wohl viele Firmen außerhalb Chinas wünschen, dass nun der zweite Sprung folgt und das Land auch zum »Importweltmeister« wird.
Trotz weltweiter Krise hat das chinesische Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr an der Neun-Prozent-Marke gekratzt, und alle Beobachter sind sich einig, dass es auch in diesem Jahr einen Zuwachs in mindestens derselben Größenordnung geben wird, auch wenn selbst einheimische Ökonomen warnen, das Wachstum sei nicht nachhaltig genug. Weil mit dem Wachstum auch der Bedarf an Importen zunimmt, hoffen die Hersteller weltweit, im Sog der chinesischen Dynamik zu profitieren.
In der Tat: Kurz vor dem - chinesischen - Jahreswechsel hat der chinesische Zoll die Importzahlen für Januar veröffentlicht und im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 21 Prozent konstatiert. Der Importzuwachs lag im Januar 2010 um 3,3 Prozentpunkte über dem im Dezember 2009. Eine nähere Betrachtung zeigt: Mehr Rohstoffeinfuhren sorgen für das Importwachstum - 144 Prozent Plus bei Kupfer, 142 Prozent bei Erdöl. Die Einfuhren von Eisenerz legten um fast 60 Prozent zu, die von Aluminium um 76 Prozent und die Stahlimporte wuchsen um 17,5 Prozent. Wird es also wie vor Jahren bald wieder zu einem Aufschrei kommen, Chinas »Hunger nach Ressourcen« treibe die Weltmarktpreise für Rohstoffe ins Unermessliche?
Mit dem Wunsch, dass China »Importweltmeister« werden möge, verbindet sich vor allem die Hoffnung, mehr Maschinen und Ausrüstungen zu liefern. Airbus ist da beispielsweise kurz vor dem Beginn des Tiger-Jahres gut ins Geschäft gekommen: Air China hat 20 A320 bestellt - im Wert von 1,2 Milliarden Euro. Deutsche Maschinenbauer hoffen, so der VDMA, auch in diesem Jahr die Einbrüche auf dem einheimischenMarkt durch Aufträge aus China auffangen zu können.
Vor allem wird aber auf den erhofften Konsumwillen der Chinesen gesetzt. Und damit gibt es ein Problem. Denn viele ausländische Hersteller, die diesen befriedigen können, produzieren in China. Importe sind gar nicht notwendig. So haben deutsche Autobauer, ob BMW, Daimler oder Volkswagen, 2009 in China Absatzrekorde gefeiert - mit Autos made in China.

Peter Tichauer
Chefredakteur

 

 

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