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Zukunft in der Forschungskooperation

 

 

Die wirtschaftliche Kooperation zwischen Bayern und China wird sich in den kommenden Jahren noch stärker auf Forschung und Entwicklung konzentrieren müssen. Davon ist Manuel Rimkus, der seit März die Landesvertretung Bayerns in Qingdao leitet, überzeugt.

 

Herr Rimkus, welche neuen Trends sehen Sie in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Bayern und China?
China ist längst nicht mehr nur die »verlängerte Werkbank« der Welt, sondern auch als Forschungsstandort für Kooperationen interessant. Zukunftstechnologien werden zunehmend als Felder für die Kooperation erschlossen, etwa der gesamte Bereich des Einsatzes von erneuerbaren Energien. Dabei ist dies nicht nur eine Einbahnstraße von Bayern nach China. Im Raum München haben gerade chinesische Solarunternehmen investiert. Das zeigt, beide Seiten führen in den Zukunftsbranchen sehr intensiv Kapital und Wissen zusammen. Und ich sehe, dass sich dabei in Zukunft noch mehr Möglichkeiten bieten, wenn im kommenden Fünfjahresprogramm für die Entwicklung der chinesischen Volkswirtschaft eine deutliche Reduzierung der CO2-Emissionen festgeschrieben wird. Das sind ganz neue Marktfelder und ich bin überzeugt, dass chinesische Unternehmen Bayern als Forschungsstandort noch stärker entdecken werden. Wichtig ist, sich frühzeitig zu positionieren, um den Trend nicht zu verpassen.

 

Beim Thema Forschung und Entwicklung gibt es aber bei deutschen Firmen noch immer Vorbehalte hinsichtlich des Schutzes geistigen Eigentums. Ist das in Bayern anders?
Der Schutz geistigen Eigentums beim Transfer von Know-how ist wichtig, jedoch macht aus meiner Sicht die zum Teil sehr aufgeregte Diskussion über Rechte an geistigem Eigentum keinen Sinn. Wenn es gelingt, dass beide Seiten gemeinsam forschen und entwickeln, haben auch beide Seiten ein Interesse am Schutz der Ergebnisse. Je stärker China in den Forschungsprozess einbezogen und als gleichberechtigter Partner betrachtet wird, desto eher lassen sich auch Lösungen für den Know-how-Transfer finden, die für beide Seiten vorteilhaft sind. Die Partner haben dann ein gemeinsames Interesse am Schutz ihres Know-hows. Das ist der große Vorteil, den gemeinsames Forschen bietet. Im April hat Ministerpräsident Horst Seehofer bei seinen Gesprächen in Peking den Eindruck gewonnen, dass der Schutz geistigen Eigentums in China ernst genommen wird. Das Problem kann aber nur durch gemeinsames Handeln gelöst werden.

 

Dass auf politischer Ebene weitgehende Übereinstimmung in dieser Frage besteht, ist das Eine. Wie sehen es aber die bayerischen Unternehmen?
Grundsätzlich muss jedes Unternehmen eigene Strategien für den Schutz seines Know-hows entwickeln. Das hängt auch von den Produkten ab. Ich sehe aber den Trend, dass bayerische Unternehmen immer stärker auf Forschungskooperation setzen, so wie das Siemens seit Jahren macht. Klar ist, dass nur so in Zukunft in China die Marktposition gesichert werden kann.

 

Sie sprachen über Zukunftstechnologien. Wo gibt es in den bayerisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen darüber hinaus noch ungenutzte Chancen?
Sehen Sie sich die Entwicklung Chinas an. Wir müssen stärker über den »Tellerrand« hinausschauen. Damit meine ich, dass sich die bayerische Wirtschaft in der Vergangenheit sehr stark in den wirtschaftlichen Boomregionen an der Ostküste des Landes engagiert hat. Es ist an der Zeit, Potenziale, die sich in West- und Nordostchina bieten, zu heben. Deshalb wird die Staatssekretärin des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, Katja Hessel, in der zweiten Juli-Hälfte nach Nordchina reisen – gemeinsam mit einer Unternehmerdelegation. Wichtig ist dabei, das Matchmaking zwischen Unternehmen aus Bayern und China zu verbessern, das heißt Unternehmen so zusammenzuführen, dass am Ende auch Kooperationen zu Stande kommen.
Darüber hinaus ist auf der Pekinger Automesse Ende April sehr deutlich geworden, dass China zunehmend auf E-Mobilität setzt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie das Auto der Zukunft aussehen wird. Das sind Trends, die wir aufgreifen und für die Kooperation erschließen müssen.

 

Herr Rimkus, seit 1. März 2010 leiten Sie die bayerische Landesvertretung in Qingdao. Welche neuen Akzente werden Sie setzen?
Schwerpunkt bleibt natürlich, bayerische Unternehmen auf ihrem Weg nach China zu begleiten und gleichzeitig chinesische Unternehmen für den Hightech-Standort Bayern zu interessieren. Daneben muss die wissenschaftliche Vernetzung intensiviert werden.
Wichtig ist einerseits, das Bayern-Bild in China weiter auszuprägen. Bayern ist eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne. Sissi und Ludwig II. oder Neuschwanstein locken Touristen an, während Unternehmen wie BMW oder Siemens für das Hightech-Bayern stehen. Das Schlagwort »Laptop und Lederhose« bringt das auf den Punkt.
Am Herzen liegt mir auf der anderen Seite aber auch, dazu beizutragen, das China-Bild in Europa, in Deutschland, in Bayern auf die richtigen Füße zu stellen. Das ist notwendig, um sich im kooperativen Wettbewerb besser positionieren zu können. Denn das in China steckende Potenzial wird in Deutschland oft nicht richtig kommuniziert. pt

 

 

 

 

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