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Kopfschütteln allenthalben. Die Nachrichten, die dieser Tage aus Deutschland nach China gelangen, sorgen bei vielen chinesischen Gesprächspartnern zumindest für Verwunderung und die Frage »Was ist eigentlich mit Deutschland los?« macht wieder einmal die Runde. Kein Wunder. Deutschland ist zurzeit sehr stark mit sich selbst beschäftigt. Da ist der Bundespräsident aus heiterem Himmel zurückgetreten. Da wird der Ton innerhalb der Regierung immer schärfer und die Parteien, die eigentlich gemeinsam regieren sollten, werden nicht müde, sich – mit zum Teil unter die Gürtellinie gehenden Repliken – gegenseitig zu demontieren. Euro-Krise und klaffende Haushaltslöcher zwingen zum Sparen. Und die Beobachter in China sind gespannt, wie es gelingen wird, die Probleme zu lösen.
Probleme gibt es in China ebenfalls. Ausländische Investoren, vor allem aus Asien, rücken in den Mittelpunkt des Protestes selbstbewusster gewordener Arbeiter. So halten die jüngsten Streiks bei japanischen Autobauern und Zulieferern die Öffentlichkeit in Atem. Gerade in einer Branche, die in den vergangenen Monaten Absatzrekorde feiern konnte, sind die Arbeiter nicht mehr bereit, zu Hungerlöhnen zu arbeiten.
Wie in Deutschland geht es auch in China um die soziale Kluft zwischen Arm und Reich, die zunimmt. Sowohl in Deutschland als auch in China müssen Wege gefunden werden, diesen Trends zu begegnen – im Interesse des sozialen Friedens, im Interesse der Zukunft.
Die Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern dürfte ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin sein. Und es gibt durchaus positive Signale, die in den gegenwärtigen innenpolitischen Diskussionen leider kaum wahrgenommen werden. Vom wirtschaftlichen Aufschwung in der Asien-Pazifik-Region und insbesondere in China profitiert auch die deutsche Exportwirtschaft, mit allen positiven Rückwirkungen für das dringend notwendige Wachstum in Deutschland selbst. Im ersten Quartal dieses Jahres nahmen die Ausfuhren deutscher Unternehmen nach China um fast 60 Prozent zu und erreichten ein Volumen von zwölf Milliarden Euro. OAV-Geschäftsführerin Monika Stärk bezeichnet das als »uneingeschränkt positives Signal«, da dieser Zuwachs nicht wie bei anderen Märkten »von schlechten Basiseffekten des Vorjahres herrührt«.
Darauf gilt es für die Zukunft aufzubauen und gleichzeitig das Engagement in China selbst zu intensivieren. China hat sich als attraktivster Investitionsstandort in der Welt behauptet. Im Bestreben, mehr technologieintensive Investitionen ins Land zu holen, sind gerade europäische, deutsche Unternehmen stark umworben – auch weil sie soziale Standards setzen, die China mehr denn je braucht. Deutsche Unternehmen, die sich in China engagieren, sichern zudem Arbeitsplätze in Deutschland. Somit profitieren beide Seiten in einem nicht einfachen weltwirtschaftlichen Umfeld – Deutschland und
China.

 

 

Peter Tichauer
Chefredakteur

 

 

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