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Vorbildlich in NRW
Huawei, Sany, ZTE setzen Zeichen

 

 

Unter den rund 700 chinesischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen zeigen die Telekommunikationsausrüster Huawei und ZTE sowie der NRW-Newcomer Sany beispielhaft, dass Wachstum trotz Krise möglich ist – durch Innovationen und Investitionen.

 

Die wohl spektakulärste Neuansiedlung in NRW ist sicherlich die des chinesischen Baumaschinenproduzenten Sany. 1989 als Privatunternehmen gegründet und in Teilen an der Börse notiert, zählt die Sany Group inzwischen zu den 20 größten Baumaschinenherstellern weltweit. Von Betonpumpen, Straßenbau-, Hafen- oder Bergbaumaschinen über Kräne und Kranfahrzeuge bis hin zu Erdbohrmaschinen produziert das Unternehmen nahezu alles, was auf Großbaustellen gebraucht wird. Geführt wird Sany von Liang Wengen, einem der reichsten Männer Chinas. 2009 machte das Unternehmen einen Umsatz von 30 Milliarden Yuan – trotz Krise eine Steigerung um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und beschäftigt derzeit rund 36.000 Mitarbeiter in mehr als 150 Ländern. Sany expandiert und investiert, betreibt Entwicklungs- und Produktionszentren nicht nur in China, Indien und den USA, sondern bald auch in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen.

 

Sany made in Germany. 2008 eröffnete Sany eine Europazentrale in Köln. Dabei soll es jedoch nicht bleiben: Im Januar 2009 unterzeichneten Sany-Präsident Liang Wengen und Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen im Beisein des chinesischen Premiers Wen Jiabao und von Bundeskanzlerin Angela Merkel den Vertrag zum Bau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums mit angeschlossener Produktion in Bedburg/Bergheim nahe Köln. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf satte 100 Millionen Euro und ist damit die bislang größte chinesische Einzelinvestition in Europa. Jährlich 3.000 Sany-Baumaschinen made in Germany sollen in Bedburg für die Märkte in Europa, Afrika und im Mittleren Osten hergestellt, 350 Millionen Euro umgesetzt und mehrere Hundert Arbeitsplätze geschaffen werden. Am 7. Juni 2010 kündigten Sany-Germany-Geschäftsführer Daniel He, Bedburgs Bürgermeister Gunnar Koerdt und
seine Bergheimer Kollegin Maria Pfordt den Baubeginn für diesen Juli an, im Sommer 2011 sollen die Bauarbeiten für die Produktions-, das Forschungs- und Verwaltungsgebäude sowie ein Hotel abgeschlossen sein, so der Plan. Für NRW verspricht die Sany-Ansiedlung Prestige als Investitionsstandort, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, für Sany Wettbewerbsvorteile auf dem globalen Markt. Denn Baumaschinen »made in Germany« genießen weltweit einen hervorragenden Ruf.

 

Chinesen im Herz der IT-Branche. Als »Herz der Informations- und Telekommunikationsbranche« wird Düsseldorf gern bezeichnet, schließlich haben sich dort zahlreiche Netzbetreiber angesiedelt – mit ihnen die Serviceprovider und Netzwerkausrüster, darunter die chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei und ZTE.
Die ZTE Corporation mit weltweit rund 70.000 Mitarbeitern ist nicht nur der fünftgrößte Handyhersteller der Welt, sondern auch der größte chinesische Telekommunikationsausrüster, der an den Börsen von Hongkong und Shenzhen notiert ist. Seit 2005 gibt es die ZTE Deutschland GmbH mit der Zentrale am Düsseldorfer Seestern, dort, wo das Herz der Informations- und Telekommunikationsbranche schlägt. Die Nähe und der direkte Kontakt zu Kunden ist ZTE wichtig, daher verfügt ZTE Deutschland seit November 2008 über eine Niederlassung in Bonn nahe der Deutschen Telekom, seit August 2009 wird vom Münchener Büro aus der Partner o2 betreut. Und ZTE wächst weiter.
Im Frühjahr ist dem Unternehmen ein weiterer wichtiger Schritt bei seiner Expansion im europäischen Markt gelungen: Die Zusammenarbeit mit der E-Plus-Gruppe und der KPN Group Belgium. Diese wollen mit ZTE den Netzausbau in Europa flächenmäßig erweitern und die mobilen Breitbandnetze mit HSPA-basierter 3G-Technologie schneller machen. Eigens dafür hat ZTE im Februar 2010 ein neues Büro in Düsseldorf eröffnet, weitere kleinere Regionalbüros sollen folgen. Zudem eröffnete die ZTE Deutschland GmbH im März 2010 ein Testlab im Düsseldorfer Test- und Innovationcenter, dessen Betreiber Vodafone Deutschland ist. »Damit ist der Düsseldorfer Standort die dritte Forschungseinrichtung in Europa, neben Poitiers in Frankreich und Kista in Schweden«, betont Zhang Zhigang, Vice President der ZTE Corporation für Westeuropa und Nordamerika. »Unsere Strategie ist, Forschungs- und Entwicklungskapazitäten nicht nur in China, sondern marktnah aufzubauen. Von hieraus sollen Breitbandtechnologien wie HSPA+ und LTE europaweit vorangetrieben und die Kunden bei der Implementierung neuer Services unterstützt werden«, so Zhang weiter.
Forschung und Entwicklung weltweit in enger Kooperation mit den Kunden – mit dieser Strategie ist Huawei Technologies mit Sitz in Shenzhen zum führenden Anbieter von Netzwerklösungen der nächsten Generation weltweit aufgestiegen. Gegründet im Jahr 1988 arbeitet das Privatunternehmen mittlerweile mit 45 der 50 erfolgreichsten Netzbetreiber weltweit zusammen. 2008 waren es noch 36. Mit einem Verkaufserlös von 21,8 Milliarden US-Dollar erzielte Huawei 2009 ein Wachstum von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und das trotz sinkender Investitionen der Netzbetreiber. Ein wichtiger Grund: Von den derzeit knapp 10.0000 Mitarbeitern weltweit arbeitet fast jeder Zweite (46 Prozent der Mitarbeiter) in Forschung und Entwicklung. Jahr für Jahr fließen rund zehn Prozent der Umsatzerlöse in die Forschung, 2009 waren es 1,95 Milliarden US-Dollar. Neben den 17 Forschungs- und Entwicklungszentren weltweit unterhält Huawei derzeit über 20 Innovationszentren, in denen kundenspezifische Lösungen entwickelt werden.
»Wir werden unsere Präsenz in Deutschland ausbauen und setzen auf Forschung und Entwicklung auch in Nordrhein-Westfalen«, betonte Chen Lifang, Senior Vice President von Huawei bei einem Treffen mit Ministerpräsident Rüttgers im November 2009 und kündigte an, in Nordrhein-Westfalen 20 Millionen Euro zu investieren und rund 200 weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Gesagt, getan. Derzeit wird die Europazentrale in Düsseldorf mit neuen Geschäftsfeldern ausgebaut. Darüber hinaus errichtet Huawei in der NRW-Landeshauptstadt ein neues Innovationszentrum, um die Zusammenarbeit mit Partnern wie Vodafone weiter auszubauen. »Europa ist ein wichtiger Markt für Huawei. Nord­rhein-Westfalen ist ein Zentrum für Innovation und Technologie und für uns ein Tor nach Europa. Wir finden in Düsseldorf hervorragende Bedingungen und sind in direkter Nachbarschaft zu wichtigen Kunden«, bestätigt Chen Lifang aufs Neue.

 

Katrin Schlotter

 

 

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