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Schwieriger Start, gute Zukunft
Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Fujian schafft Basis für Wirtschaftskooperation

 

von Detlof von Borries

 

Seit dem 25. Mai 1989 verbindet Rheinland-Pfalz und die südchinesische Provinz Fujian eine Partnerschaft. In schwierigen Zeiten begonnen, hat die Entwicklung der Beziehungen in den vergangenen Jahren Höhen und Tiefen erlebt.

 

Naturgemäß spiegeln sich in der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Fujian die wechselhaften Beziehungen zwischen Deutschland und China der vergangenen 20 Jahre wider. Es gibt aber auch eine Reihe von Besonderheiten, die sich vor allem aus der wirtschaftsgeografischen Situation Fujians ergeben.
Nach den bekannten Vorfällen auf dem Tiananmen-Platz 1989 wurden auch die gerade erst beschlossenen Beziehungen zu Fujian eher »dilatorisch« behandelt, was nicht heißt, dass die Kontakte ganz abgebrochen wurden. So wurden schon 1990 Studenten des Ostasieninstituts in Ludwigshafen für ein Semester an die bekannte Xiamen-Universität geschickt. Nachdem sich 1993 das Verhältnis zwischen beiden Ländern allmählich entspannte, reiste der damalige rheinland-pfälzische und heutige Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle erstmals mit einer Wirtschaftsdelegation nach Fujian. Es kam zur Gründung eines Rheinland-Pfalz-Büros in Xiamen durch die Far Eastern Limited, Ludwigshafen, und zur Ansiedlung erster rheinland-pfälzischer Wirtschaftsbetriebe. Dazu gehörten WaWi Schokoladen oder der Hersteller von Natursteinen Wiga­stone, der sich in der für ihre Naturstein-Industrie bekannten Region um Quanzhou und Xiamen engagiert hat. Erste Weinverkäufe und auch Bemühungen des Umweltministeriums um ökologische Projekte folgten.

 

Ungleiche Partner. Die Disparitäten zwischen Rheinland-Pfalz und Fujian sind augenfällig: Auf der einen Seite ein deutsches Flächenland mit vier Millionen Einwohnern und der Hauptstadt Mainz, die mit 200.000 Einwohnern zugleich die größte Stadt des Landes ist. Auf der anderen Seite Fujian mit 35 Millionen Einwohnern und einigen Großstädten, die durchaus als solche wirken.
Fujian war bis in die 80er Jahre auf Grund seiner geografischen Lage und als damaliges militärisches Frontgebiet gegenüber Taiwan eine der ärmsten chinesischen Provinzen. Mittlerweile ist sie eine der reichsten und prosperierendsten Flächenprovinzen Chinas. Die engen historischen und familiären Verflechtungen Fujians zu Taiwan und die im vergangenen Jahr vereinbarte enge Kooperation auf beiden Seiten der Taiwan-Straße lassen für die weitere wirtschaftliche Zukunft der Provinz hoffen. Hinzu kommt die internationale Verflechtung dieser ehemaligen »Auswandererprovinz« mit einflussreichen Kreisen der Auslandschinesen in aller Welt, insbesondere im pazifischen Raum und in den USA. Alle Städte unterhalten ein eigenes Amt für Auslands­chinesen, das diese Personengruppe besonders umwirbt. Überall sind große Stiftungen von Auslandschinesen, die sich im wissenschaftlichen und kulturellen Bereich engagieren, anzutreffen und das Kapital vieler, wenn nicht der meisten erfolgreichen privaten Betriebe in der Provinz stammt von diesem Personenkreis.

 

Gutes Investitionsumfeld. Die ehemals nachteilige geografische Lage hat sich in ihr Gegenteil verkehrt. Es gibt mehrere Hochseehäfen, weitere sind im Ausbau. Die Anbindung an das Kernland ist mittlerweile nicht nur über See sondern durch mehrere Autobahnen, Zugverbindungen, darunter eine Hochgeschwindigkeitstrasse, und Flughäfen bestens gewährleistet. Ein Wasserproblem gibt es in Fujian nicht. Im Gegenteil. Die Provinz verfügt über mehrere Wasserkraftwerke und kann fast beliebig weitere bauen. Die Wirtschaftsstruktur ist bestens diversifiziert. Für deutsche Investoren sollte Fujian demnach günstige Voraussetzungen bieten.
Auf Grund der geschilderten historischen Ostausrichtung gab es in Fu­jian allerdings bislang im Vergleich zu anderen Küstenprovinzen kaum eine deutsche und nur wenig europäische Infrastruktur. Daran hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert, nicht zuletzt auf Initiative der Rheinland-Pfälzischen Fujian-Gesellschaft.
Im Jahre 2004 wurde unter ihrer Ägide an der Fuzhou-Universität eine »Rheinland-Pfalz-Akademie« gegründet, an der – erstmals in Fujian überhaupt – gründliche Deutschkenntnisse erworben werden können. Von Anfang an waren etwa 200 Studenten, überwiegend aus Fujian, aber auch aus anderen Landesteilen, dort eingeschrieben. Die Lehrkräfte kommen je zur Hälfte aus Deutschland und China. Möglich ist ein Bachelor-Abschluss in »Germanistik« oder im Rahmen des so genannten »5-plus-5-Programms« ein fünfsemestriges technisches Studium, das von einer Deutsch-Ausbildung begleitet wird. Damit werden die Studenten befähigt, anschließend an der Partneruniversität Kaiserslautern in weiteren fünf Semestern einen deutsch-chinesischen Master-Abschluss zu erwerben. Zurzeit ist dies nur in der Elektrotechnik und im Bauingenieurwesen möglich. In Zukunft sollen aber weitere Fakultäten in das Programm einbezogen werden.
Es hat sich gezeigt, dass das Interesse an dieser Ausbildung so groß ist, dass die Kapazitäten nicht ausreichen. Deshalb wurde mittlerweile auch in Xiamen und an anderen Orten auf Initiative der Fujian-Gesellschaft die Möglichkeit geschaffen, Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache zu lernen.
Damit wurden die Voraussetzungen für weitere Kooperationen in allen gesellschaftlichen Bereichen geschaffen – auf administrativer, zunehmend aber auch auf privater Ebene. So wurde in der Berufsbildung eine Kooperation mit Aus-und Weiterbildungsmaßnahmen beschlossen. Vielversprechende Umweltprojekte unter Mitwirkung von Universitäten, Instituten und der privaten Wirtschaft kommen allmählich in Gang. Größere Betriebe wie Daimler oder Linde haben sich angesiedelt. Sie nutzen diese Einrichtungen und ergänzen die Infrastruktur. Kleinere Betriebe folgen. Inzwischen gibt es auch bei Unternehmen in Fujian Interesse, in Rheinland-Pfalz zu investieren.
Die – allerdings noch wenigen – Deutschen fühlen sich in Fujian sehr wohl. Das Leben dort sei angenehm, so die allgemeine Meinung, auch für die Familien der entsendeten Manager. Es bedarf keiner prophetischen Gaben, um der partnerschaftlichen Zukunft zwischen Fujian und Rheinland-Pfalz eine gute, beiderseits befruchtende Zukunft vorherzusagen.

 

 

Auf Initiative des jetzigen Staatssekretärs im Mainzer Wirtschaftsministerium, Siegfried Englert, wurde 2004 die Rheinland-Pfälzische Fujian-Gesellschaft gegründet. Ihr Ziel ist es, die Aktivitäten aller an dieser Partnerschaft interessierten Akteure in Ministerien, Institutionen, Betrieben und deutsch-chinesischen Vereinen sowie von Privatpersonen zu koordinieren. Diese ausgeprägt zivilgesellschaftliche Initiative im Rahmen internationaler Partnerschaften mit chinesischen Provinzen dürfte nicht nur in Deutschland, sondern ganz allgemein Seltenheitswert besitzen. Naturgemäß sind partnerschaftliche Kontakte nach China auf Grund der Entfernung und der beiderseits spärlichen Sprachkenntnisse mit besonderen Anlaufproblemen behaftet. Es lohnt sich jedoch, mit Chinesen auf menschlicher Ebene Kontakte zu schließen. Sie sind für die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Ländern und Kommunen eine conditio sine qua non, gerade deshalb, weil es anfangs schwieriger war in China Geschäfte zu betreiben als im eigenen bekannten Sprach-und Kulturraum.

 

 

Detlof von Borries
ist Vorsitzender der Rheinland-Pfälzischen Fujian-Gesellschaft.
detlof.borries@t-online.de

 

 

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